Kindergarten Bahnhofsallee - Konzept für besonders Interessierte

Die Kindertagesstätte „Bahnhofsallee“ ist eine von vier Elternselbsthilfe-Einrichtungen in Oldenburg.

 

Unser Selbstverständnis und die gesamte Kita-Kultur gründet auf der Historie der ESH-Einrichtungen. Daher stellen wir hier ein Zitat an den Anfang unseres Konzeptes:

 „Der Eltern-Selbsthilfe e.V. - kurz ESH - wurde am 8.12.1971 in der Gaststätte ,,Zum Fürsten Bismarck" in Oldenburg gegründet. Es wurden damals verschiedene Arbeitsgruppen gebildet (…) und für die organisatorischen, rechtlichen und finanziellen Fragen wurde ein Vorstand gegründet.

In den darauf folgenden 40 Jahren wurde immer wieder an der Struktur der Vereinsarbeit gefeilt, und es wurden pädagogische Konzepte erarbeitet, erneuert und angepasst. Das Besondere und Einzigartige der Kindergartenarbeit indes besteht bis heute und hat durch die Jahre immer wieder Eltern angezogen, die genau dieses wollten:

  • Elternarbeit als Teil eines gemeinsamen Projektes mit ihrem Kind und anderen Familien zusammen (zu verwirklichen und zu erleben).
  • Unmittelbar demokratischen Einfluss auf den Kindergartenalltag wahrzunehmen und dabei einen besonderen Standard bei der Begleitung und Betreuung ihres Kindes zu erleben.

 Auch und gerade in den heutigen Zeiten der Dienstleistungsgesellschaft stellt die Elternselbsthilfe etwas sehr Besonderes in dem breiten Spektrum der Oldenburger Kinderbetreuung dar.

 Geprägt sind diese 40 Jahre durch Erzieherlnnen und Eltern, Zivildienstleistende, Praktikantlnnen und Freunde in den vier Einrichtungen des ESH e.V., die mit viel Herz und viel pädagogischem Verstand mit den Kindern gearbeitet haben und sie Gemeinschaft erleben ließen.“

 

(„40 Jahre ESH e.V.“, div. Autoren, 2011, Seite 4)

 


  Aktuell spiegelt sich dieser Anspruch im Betreuungsvertrag:

 „(…)

 § 3 Mitarbeit

 (1) Der Kindergarten kann als Elternselbsthilfe-Kindergarten nur funktionieren, wenn alle Eltern sich dafür verantwortlich fühlen, dass anfallende Arbeiten in der Organisation, im Gebäude und im Garten erledigt werden.

 Die Eltern verpflichten sich,

 - sich an den anfallenden Arbeiten zu beteiligen

 - den Elterndienst wahrzunehmen

 - regelmäßig an den Elternabenden teilzunehmen

 - ein Amt zu übernehmen

 (2) Ist die Ausübung eines Amtes nicht nötig/möglich, wird besonderes Engagement bei den anderen anfallenden Arbeiten/Diensten erwartet.

 (…)“

 (Eltern-Selbsthilfe e.V., Betreuungsvertrag Kindergarten Bahnhofsallee,
Ausfertigung Personensorgeberechtigte, 8.2015)

 

In der Vereinssatzung ist das so formuliert:

 „(…)

 §3 Solidaritätsprinzip

 (1) Zur Förderung des Vereinszwecks ist jedes Mitglied verpflichtet, im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag finanzieller Art und/oder durch persönlichen Arbeitseinsatz zu leisten.

 (2) Wesentliche finanzielle Grundlage für die Arbeit des Vereins ist jedoch das Beitragsaufkommen der Mitglieder. Der Verein ist daher darauf angewiesen, dass alle Mitglieder ihre Beitragspflichten in vollem Umfang und pünktlich erfüllen. Nur so kann der Verein seine Aufgaben erfüllen und seine Leistungen gegenüber seinen Mitgliedern erbringen.

 (…)“

 (Satzung des Eltern-Selbsthilfe e.V. in der von der Mitgliederversammlung am 1. Dezember 2010 beschlossenen Fassung)

 

Unser pädagogisches Grundkonzept und die pädagogische Haltung werden verdeutlicht durch das gemeinsame Dokument „Was uns wichtig ist“:

  •  „Der Kindergarten ist für dein Kind ein Rahmen von Freiheit und Sicherheit.
  •  Wir schaffen jeden Tag für die Kindergruppe die Rahmenbedingungen für Vertrauen und Zutrauen.
  •  Wir sorgen für die Einhaltung von Regeln und Grenzen durch zeitnahes konsequentes Handeln.
  •  Mit unserer Unterstützung besteht für jede/n Gelegenheit zum Üben im Spannungsfeld von Freiheit und Sicherheit: „Wenn du sicher bist, wirst du immer freier!“
  •  Du lernst: Wenn wir uns aufeinander verlassen können, sind viele Optionen möglich. Freiheit ist immer die Rücksichtnahme auf den anderen.
  • Kinder haben ein Recht auf Geheimnisse!
  • Wir erkennen professionell Extremfälle/-situationen und handeln angemessen situationsgerecht.
  • Dein Kind wird persönlich für die Gemeinschaft ermutigt.
  • Eine Kita ist keine Einrichtung für Einzelbetreuung – dein Kind ist in der Gemeinschaft aller Kinder nicht das Wichtigste: Kein Kind ist das!
  • Freiheit und Sicherheit geben den Rahmen für die Entwicklung der Kinder, diese ist unterschiedlich.
  • Unsere Aufgabe ist es, zu erkennen, was das einzelne Kind wann braucht, und heraus zu finden, wie die Gruppe unterstützen kann.
  • Wir sind darin ausgebildet, darauf zu achten, dass niemand in der Gruppe zurückbleibt. Wir kennen jede Persönlichkeit und den Stand der Entwicklung.
  • Erziehungspartnerschaft bedeutet für uns Fachkräfte: Die Eltern sind die Experten für ihre Kinder „zuhause“ - wir als PädagogInnen sind die Experten für diese Kinder im Kindergarten. Es ist hilfreich, wenn beide Partner diese Rollenaufteilung anerkennen.
  • Der Anspruch der Elternselbsthilfe ist die selbstbestimmte, gemeinschaftsbezogene volle Verantwortungsübernahme über die institutionelle Bildung und Erziehung der Kinder – daher arbeiten wir auch im rechtlichen Rahmen von Angestellten und nehmen unsere Arbeitnehmerrechte wahr.

 

Die ESK sind anerkannte Bildungseinrichtungen des Elementarbereiches der Stadt Oldenburg. Wir arbeiten seit vielen Jahren nach den gesetzlichen Anforderungen (siehe KitaG / niedersächsischer Orientierungsplan) und konzeptionellen Rahmenbedingungen und sorgen daher für pädagogische Kontinuität und öffentliche Seriosität in diesen Einrichtungen.“(„Was uns wichtig ist“ - Grundsätze im Elternselbsthilfekindergarten,
Dezember 2015. Alle ErzieherInnen)

 

Die Grundwerte


Natur und Lebenswelt

Neben der reinen Betreuung der Kinder und der Vorbereitung auf den späteren Schulbesuch steht im Zentrum unseres Schaffens die pädagogische Arbeit mit klarem Bezug zur Natur und – vor allem – zur Lebenswelt der Kinder. Lebenswelten sind jene sozialökologischen Nahräume, in denen das Kind mit anderen Menschen interagiert, sich handelnd mit seiner Umwelt auseinandersetzt sowie Kompetenzen und Werteorientierung erwirbt – sich also selbst bildet. Durch die Arbeit und Präsenz von Eltern und Großeltern in unserem Kindergarten treffen hier unterschiedliche Lebenswelten aufeinander und verbinden sich. Die Partizipation der Kinder an allen Aktivitäten im und um den Kindergarten herum fördert die Lernerfahrungen in der Lebenswelt der Kinder noch zusätzlich.

 

Natur

In einer hochtechnisierten Welt, in der die natürlichen Erlebensräume für Kinder immer kleiner werden, kommt unserer Meinung nach ein Erleben der Natur und das Entdecken der eigenen Lebenswelt eine ganz besondere Bedeutung zu.

Wir wollen in unserem Kindergarten deshalb ein bewusstes Gegengewicht zu der medialen, bewegungsarmen und reizüberfluteten Alltagswirklichkeit der Kinder bieten und den Kindern Zeit und Raum geben, ihren Lebensraum voller Neugier zu entdecken und zu begreifen. Sie die Natur mit allen Sinnen erleben zu lassen, begreifen wir als einen Schwerpunkt unserer Arbeit.

Gerade weil regelmäßige Berührungen mit der Natur für Kinder nicht mehr selbstverständlich sind, findet ein Großteil unserer Aktivitäten draußen statt, damit die Kinder bewusst die Jahreszeiten erleben, Temperaturveränderungen wahrnehmen, Pflanzen kennen lernen und Tiere beobachten können. Auf unserem großen, z.T. naturbelassenen Gelände mit vielen alten Bäumen, Sträuchern und Dickichten lässt sich viel entdecken und erforschen. Unsere Aufgabe sehen wir darin, diese kindliche Neugier zu wecken und zu erhalten. Die ErzieherInnen sind offen für die Fragen der Kinder und beantworten sie wenn gewünscht; sie geben ihnen aber auch den Raum, selbst zu forschen und eigene Antworten zu finden.

Gleichzeitig bietet unser Kindergarten den Kindern viele Gelegenheiten, ihren natürlichen Bewegungsdrang auszuleben, die Fähigkeiten ihres Körpers zu entdecken und weiterzuentwickeln, nicht nur auf dem Gelände sondern auch im angrenzenden Naturschutzgebiet und an unseren monatlichen Waldtagen. Sie haben dann die unterschiedlichsten Möglichkeiten zu klettern, schaukeln, balancieren, wippen, kriechen, rollen und rennen. Eingebettet in selbstbestimmte Rollenspiele macht das Spaß, fördert die Beweglichkeit und macht selbstbewusst.

In gleichem Maße bietet die Natur aber auch die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und still zu werden. Nämlich immer dann, wenn wir Zeit mit unseren Kaninchen verbringen, Tiere beobachten oder einfach nur auf der Wiese liegen und den Himmel betrachten.

Unser Wunsch ist, dass die Kinder ein verständnisvolles Verhältnis zur Natur entwickeln und achtsam mit ihr umgehen. Das kann nur durch Vorleben gelingen. Leider erleben wir in unserem Alltag häufig die Kehrseite der Konsumgesellschaft. Es liegt immer wieder Müll auf dem Kindergartengelände oder im Naturschutzgebiet und auch an unseren Waldtagen müssen wir häufig Müll aufsammeln. Das wirft auch bei den Kindern Fragen auf. Wir überlegen gemeinsam, wie wir im Kindergarten Müll vermeiden können. Wir trennen unseren Müll und reparieren vieles. Auch lassen sich Verpackungen wiederverwenden, um daraus tolle Dinge zu basteln. Die Kinder sehen, dass Plastik nicht verrottet, können aber beobachten, dass aus unseren Obst- und Gemüseresten mit der Zeit kostbare Erde entsteht und viele Kleinstlebewesen ernährt.

 

Lebenswelten

In unserem Kindergarten berühren sich die Lebenswelten vieler Kinder und ihrer Familien. Durch die besondere Nähe aller Familien, der gewünschten Mitarbeit der Eltern z.B. an den Waldtagen, beim wöchentlichen Schwimmbadbesuch und auch den nachmittäglichen Verabredungen bekommen die Kinder Einblicke in die Lebenswelten der anderen Kinder und ihrer Familien. Das macht neugierig und wirft Fragen auf, die beantwortet werden wollen. Gelingt uns dies, dann kann daraus Vertrauen, Verständnis und Toleranz entstehen.

Nicht nur die Eltern sind verstärkt in die Aktivitäten des Kindergartens eingebunden; an all diesen Aktivitäten werden auch die Kinder beteiligt. Dazu gehören das Einkaufen und Kochen, die Zubereitung des Frühstücks, kleinere Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten, Versorgung der Kaninchen, Vorbereitung von Festen, gemeinschaftliche Garten- und Aufräumaktionen. Sie dürfen selber machen, lernen Werkzeuge zu benutzen und werden dadurch selbständig und selbstbewusst.

Gleichzeitig dienen auch unsere Exkursionen nicht der Unterhaltung, sondern der Beantwortung ihrer Fragen. Woher kommt unsere Milch? Was arbeitet ein Zahnarzt? Wo sitzen die Musiker im Theater? Wenn wir die Möglichkeit haben, dann besuchen wir auch Eltern an ihrem Arbeitsplatz. So lernen die Kinder frühzeitig für sie interessante und relevante Bereiche der Welt kennen und lernen, sich mit mehr Sicherheit, Verständnis und Wertschätzung für Mensch und Umwelt in ihr zu bewegen.

 

Lebenspraktische Kompetenzen

Kinder haben von Natur aus ein Autonomiebestreben. Das heißt, sie haben den Wunsch, viele Dinge selbst zu tun, und schauen zu solchen auf, die bereits mehr können als sie. Das ist ein großer Entwicklungsanreiz, den man in vielen unterschiedlichen Situationen unterstützen kann. In diesem Bereich sind besonders vielseitige und vor allem wichtige Lernerfahrungen möglich, die das Selbstwertgefühl und die Selbstständigkeit des Kindes in großem Maße fördern können. Vor allem sind mit „alltagspraktischen Kompetenzen“ zumeist Tätigkeiten gemeint, die von sich aus sinnvoll sind und oft nicht erklärt werden müssen.

Die lebenspraktischen Kompetenzen zu fördern und möglichst viele Gelegenheiten zu bieten, neue Dinge kennen zu lernen, zu erproben und zu verbessern, ist uns ein großes Anliegen, da so die Kinder in ihrer Selbsttätigkeit gefördert werden und zu selbstständigen und selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen. Vor allem ist es uns wichtig Fehler zuzulassen, denn nur so kann man daraus lernen und diese in Zukunft vermeiden, was für mehr Sicherheit sorgt. Selbstverständlich lassen wir die Kinder aber nicht allein. Wir sind immer in ihrer Reichweite und bieten ihnen Unterstützung an, wenn sie diese benötigen - denn nur in einer vertrauensvollen und wertschätzenden Atmosphäre sind Kinder mutig und trauen sich selbst das zu, was wir ihnen auch zutrauen.

 

Selbstversorgung

Hier spielt zum Beispiel die selbstständige Versorgung eine große Rolle. Die Kinder lernen bei uns am gemeinsamen Frühstückstisch, sich die Lebensmittel heranzuschaffen, die sie für ihr Frühstück brauchen, lernen zum Beispiel ihr Brot zu schmieren, zu belegen, durchzuschneiden, sich selbst etwas zu trinken einzuschenken und vieles mehr. Nach dem Frühstück gehen die Kinder Zähne putzen. Auch das tun sie selbst, teilweise unter Anleitung. Auch für das Anziehen von Kleidung wie zum Beispiel einer Regenhose oder das Binden der Schnürsenkel wird den Kindern Zeit und Raum gegeben. Ebenso stehen wir aber immer unterstützend zur Seite, aber auch die Kinder helfen sich untereinander. Sie lernen bei uns also Verantwortung für sich selbst und ihre Mitmenschen zu übernehmen - aber auch für die beiden Kaninchen, die auf unserem Außengelände wohnen und täglich gefüttert werden müssen.

 

Hauswirtschaft

Hauswirtschaftliche Tätigkeiten sind ebenfalls ein Gebiet, in dem vielfältige lebenspraktische Kompetenzen erworben werden können. So erwarten wir beispielsweise von den „großen“ Kindern, dass diese gelegentlich den Tisch vor den Mahlzeiten decken und hinterher wieder abdecken. Natürlich dürfen aber auch gern die jüngeren Kinder dabei mithelfen. Aufgrund des großen Außengeländes und der vielen Bäume und Pflanzen dort haben die Kinder häufig die Gelegenheit Unkraut zu jäten, Blumen zu gießen oder Laub aufzufegen. Dies tun sie in der Regel auch sehr gern, besonders wenn sie die große Schaufel und den Rechen nutzen dürfen wie ihre älteren Vorbilder. Dann fühlen sich auch die Kleinen schon ganz stark und groß und man kann förmlich sehen, wie sie an Selbstbewusstsein gleich einen Zentimeter wachsen.

 

Einen besonderen Anreiz stellt das Herstellen von Mahlzeiten für die meisten Kinder dar. Einmal in der Woche wird mit einigen Kindern das Mittagsessen für die ganze Gruppe zubereitet. Hin und wieder werden auch zum Frühstück Brötchen gebacken oder das Gemüse und Obst wird gemeinsam in mundgerechte Stücke geschnitten. Hierzu steht den Kindern eine Hauswirtschaftskraft zur Seite und bringt ihnen bekannte und neue Lebensmittel und deren Verarbeitung nahe. Es wird Gemüse und Obst geschnitten, Teig hergestellt und geknetet und vieles mehr. Natürlich dürfen die Kinder auch probieren. Hier können sie die Feinmotorik verbessern, fantasievoll arbeiten, das Wissen erweitern und vieles mehr. Nicht zuletzt ist die Gruppe immer sehr stolz auf ihre gelungenen Mahlzeiten, was unter anderem dazu führt, dass solche hauswirtschaftlichen Angebote von den meisten Kindern sehr gern angenommen werden.

 

Umgang mit potentiellen Gefahren

Auch hat bei uns der achtsame Umgang mit potentiellen Gefahren einen hohen Stellenwert. So dürfen die Kinder zum Beispiel unter Aufsicht und Anleitung scharfe Messer für das Zubereiten von Mahlzeiten benutzen. Bei einem Geburtstag dürfen sie die Kerze auf dem Tisch selbstständig mit einem Streichholz anzünden, Perlenbilder selbst bügeln und in der Werkstatt Sägen, Hämmer, Schrauben, Nägel und andere Werkzeuge und Materialien ausprobieren und benutzen. Vor allem die Schnitzmesser sind sehr beliebt. Natürlich erklären und zeigen wir den sachgerechten Umgang mit solchen Materialien und Werkzeugen und erläutern gemeinsam mit der Gruppe die Gefahren die von diesen ausgehen und wie man Verletzungen und ähnliches vermeiden kann. Nur so werden die Kinder sicher im Umgang und Unfällen kann vorgebeugt werden.

 

Umwelt

Es ist für uns selbstverständlich, die lebenspraktischen Kompetenzen nicht nur auf die Einrichtung zu beziehen. Auch das Erkunden der näheren Umgebung gehört natürlich dazu. Ein Spaziergang zum nächst gelegenen Supermarkt, um die Einkäufe für das Mittagessen zu erledigen oder regelmäßige Ausflüge mit dem Bus und in die Bibliothek gehören zu unserem Alltag. Bei gutem Wetter erkunden wir mit einem Bollerwagen das Naturschutzgebiet, welches direkt an den Kindergarten angrenzt und einmal im Monat geht es mit der ganzen Gruppe in den Wald. Auch das gehört zu den lebenspraktischen Kompetenzen: Das Erkunden und das Erfahren der Umgebung, in der die Kinder wohnen und aufwachsen, damit sie neue Verbindungen aufbauen und neue Erfahrungen machen können. Dies kommt vor allem dem Orientierungssinn zugute.

All diese Kompetenzen können die Kinder bei uns erlernen und verbessern.

 

Emotionale Entwicklung und soziales Lernen

Die sozial-emotionale Entwicklung eines Kindes nimmt großen Einfluss darauf, wie sich das Kind selbst wahrnimmt und wie es mit den sich umgebenden Personen umgeht. In diesem Bereich können die Kinder lernen, sich als eigenständige Person wahrzunehmen, Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und darauf einzugehen und Beziehungen aktiv zu gestalten. Dies sind Grundlagen für ein gut gelingendes Beisammensein in der Kita als auch zu Hause und an weiteren Orten, die im Laufe des Lebens hinzukommen. Es bedarf jedoch einiger Grundvoraussetzungen, um die Kinder in der Einrichtung in dieser Entwicklung zu unterstützen:

  • Gemeinsame Überzeugungen und Werte, nach denen sich alle richten können.

  • Verlässliche Bindungen unter den Kindern - aber besonders auch zwischen Kind und ErzieherIn. Jedes Kind soll wahrgenommen und auf seine Bedürfnisse soll eingegangen werden.

  • Eine wertschätzende Atmosphäre, Verlässlichkeit und emotionale Sicherheit im Umgang mit Gefühlen.

  • Respekt, Akzeptanz und Ernst nehmen aller Gefühle der Kinder.

Nur wenn diese Grundvoraussetzungen erfüllt sind, ist es möglich, dass Kinder sich uns gegenüber öffnen und wir so auf ihre Gefühle eingehen können und ihnen bei der Einordnung und Bewältigung dieser Gefühle helfen können.

Während der Weiterentwicklung des Sozialverhaltens können die Kinder das Aushandeln sozialer Regeln, die Achtung persönlicher Bedürfnisse und Grenzen, den Umgang mit Konflikten, das Rücksichtnehmen und noch einiges mehr lernen, was in ihrem weiteren Leben, vor allem im Umgang mit Menschen, von großer Bedeutung ist.

Die emotionale Entwicklung befähigt die Kinder dazu, sich ihrer Gefühle bewusst zu werden, sie zu verstehen und auszudrücken. Mit zunehmendem Alter (vier bis sechs Jahre) lernen sie, auch die Gefühle anderer Kinder wahrzunehmen und sich in sie hineinzuversetzen. Dieses neu erlernte Einfühlungsvermögen und das Empathievermögen sind grundlegend für ein soziales Miteinander.

Unsere Kita bietet in dieser Hinsicht einige Vorteile, denn durch die enge Arbeit mit den Eltern entstehen sehr enge Kontakte. Wir tauschen uns häufig aus, um auch die häusliche Situation der Kinder mit einzubeziehen. Des Weiteren sind wir eine sehr kleine Gruppe, in der jedes Kind von uns gesehen wird und in der sich die Kinder sowie wie auch die Eltern kennen und ständig in Kontakt treten. So entsteht ein fest verwobenes Netz aus Beziehungen, Freunden und Bezugspersonen, das ein Gefühl von Geborgenheit entstehen lässt.

Durch bestimmte Spiele, auch im Morgenkreis, werden die Kinder ermutigt, ihre Gefühle auszudrücken und miteinander sozial zu interagieren. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, auf spielerische Art und Weise die Frustrationstoleranz der Kinder zu stärken, ob durch Brettspiele, Rollenspiele oder ähnliches. Konflikte nehmen wir als einen gegebenen Anlass wahr, dazu zu lernen und den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich weiter zu entwickeln. Gibt es Konflikte, die ein größeres Ausmaß annehmen, besprechen wir diese natürlich gemeinsam in der Gruppe, z.B. in dem täglichen Morgenkreis, um den Kindern bewusst zu machen, dass man Probleme ansprechen darf und muss, um diese aus der Welt zu schaffen. So nehmen auch die Kinder Konflikte nicht als Bedrohung dar und fühlen sich eingeschüchtert, sondern entwickeln eine innere Stärke, die ihnen hilft, damit umzugehen und den Mut zu haben, diese anzusprechen und zu lösen.

 

Ziele und Inhalte unseres pädagogischen Handelns

 

Mit der Arbeit, die wir in unserer Einrichtung leisten, wollen wir an erster Stelle und im weitesten Sinne gesunde Kinder heranziehen. Darunter verstehen wir sowohl die physische (körperliche) als auch die psychische (geistige) Gesundheit. Um diese zu fördern sind uns drei Grundsätze in unserem Handeln mit den Kindern besonders wichtig:


(Körperliche) Gesundheit durch Ernährung und Bewegung

Eine gesunde Ernährung spielt in unserem Alltag eine große Rolle. Es wird sehr darauf geachtet, dass die Kinder wenig Zucker essen und Süßes eine Ausnahme darstellt, wie z.B. der Kuchen zum Geburtstag oder einmal die Woche Marmelade anstatt jeden Morgen. Stattdessen gibt es aber umso mehr unterschiedliches Obst und Gemüse, sodass für jeden etwas dabei ist. Zu trinken gibt es stilles oder sprudelndes Wasser. Dieses steht den Kindern selbstverständlich den ganzen Tag zur Verfügung, damit sie ausreichend trinken. Durch das Helfen beim Zubereiten einzelner Mahlzeiten und den jährlichen Besuch bei einer Prophylaxe-Fachkraft lernen die Kinder außerdem was „gesunde“ und was „ungesunde“ Nahrungsmittel sind. Zu dem Aspekt der körperlichen Gesundheit zählt selbstverständlich auch das gemeinsame Zähneputzen nach dem Essen.

Ebenso wichtig wie eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist es uns, viele Möglichkeiten zur Bewegung zu geben. Manchmal schon vor dem Frühstück, spätestens aber danach sind alle Kinder draußen auf dem großen Außengelände anzutreffen. Hier bieten sich zahlreiche Möglichkeiten zum rennen, klettern, springen, fahren und vieles mehr, um der kindlichen Energie freien Lauf zu lassen und sich auszutoben. Bei gutem Wetter gehen wir auch nach dem Mittagessen noch einmal raus. Für Kinder, die etwas Ruhe brauchen, besteht dann aber auch die Möglichkeit, sich drinnen bei einem ruhigen Angebot, dem Hören einer CD oder einem Buch auszuruhen. So bekommen die Kinder ein gutes Körpergefühl und sind ausgeglichen, was zu einem guten Selbstbild führt. Außerdem stärkt die viele Zeit in der Natur das Immunsystem der Kinder, was auf Dauer zu weniger Krankheiten und Erkältungen führt.

 

Eigenständigkeit

Die Eigenständigkeit ist ein wichtiger Faktor für das Selbstvertrauen eines Kindes. Wir wollen den Kindern im Alltag so viele Gelegenheiten wie nur möglich geben, sich selbst auszuprobieren und so dazuzulernen. Denn durch selber machen lernen Kinder am besten. Dazu gehört zum Beispiel, den Kindern die Zeit zu lassen, sich selbst anzuziehen, mit ihnen gemeinsam zu erarbeiten, worauf man beim Anzünden einer Kerze achten muss, den Tisch zu decken - und vor allem, sie immer wieder dazu zu ermutigen, Neues auszuprobieren und ihnen dabei die Sicherheit zu geben, dass zur Not immer jemand für sie da ist, der sie unterstützt. So gelangt jedes Kind zu einem Gefühl der Sicherheit, in dem es sich neue Dinge zutraut, in dem es auf sich selbst stolz sein kann und sagen kann: „Ich kann etwas!“.

 

Selbstbewusstsein

Die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein sind eng miteinander verknüpft. Umso mehr und umso besser ein Kind etwas kann, umso mehr Selbstbewusstsein hat es auch oft. Wir glauben daran, dass Kinder vieles allein schaffen können und bestärken sie darin. Wir sprechen mit ihnen über Erfolgserlebnisse und freuen uns mit ihnen. Wir ermutigen jedes Kind dazu, Fragen zu stellen, neue Dinge auszuprobieren und sich bei Konflikten selbstsicher und laut zur Wehr zu setzen, um dem Gegenüber unmissverständlich klar zu machen, wenn gerade etwas nicht gewollt ist. So können Übergriffe vermieden werden. Auch leben wir den Kindern vor, keine Angst vor Konflikten haben zu müssen, sondern diese offen anzusprechen und eine konstruktive Lösung zu finden, bei Bedarf gemeinsam und irgendwann auch selbstständig. Besonders wichtig ist uns auch, die Gruppe zu stärken und jeden einzelnen dazu zu ermutigen, anderen Kindern zu helfen, wenn Hilfe benötigt wird - wie zum Beispiel beim Schuhe anziehen, Wasser einschenken oder wenn jemand geärgert wird.

So wollen wir starke und gesunde Kinder heranziehen, die mit sich selbst zufrieden und im Reinen sind und sich alles zutrauen und probieren - die sich aber auch nicht scheuen, nach Hilfe zu fragen, und die neugierig auf Neues sind.

 

Ein Tag in unserem Kindergarten

Trotz der vielen verschiedenen Aktivitäten und Möglichkeiten, die den Kindern hier offen stehen, liegt unserem Kindergartenalltag ein immer wiederkehrender Rhythmus zugrunde, der ihnen Sicherheit und Orientierung bietet.

In der Zeit von 7:30 Uhr bis 8:00 Uhr werden die ersten Kinder in den Frühdienst gebracht. Die Bringzeit dauert in unserem Kindergarten bis 8:45 Uhr. Pünktlichkeit ist uns in diesem Zusammenhang sehr wichtig, denn nur so haben die Kinder Zeit und Ruhe, in der Gruppe anzukommen. Die ankommenden Kinder werden von uns begrüßt und verabschieden sich dann gemeinsam mit einer Erzieherin von ihren Eltern am „Winkefenster“. Gerade bei der Verabschiedung der Eltern spielen Rituale eine große Rolle. Der Abschiedskuss, die Umarmung oder das Rausschubsen geben den Kindern Sicherheit und sie können sich auf den Kindergartenalltag einlassen. Jetzt können sie sich endlich selbstständig eine Spiel- oder Bastelmöglichkeit suchen, im Bauraum bauen, sich vorlesen lassen oder bei der Zubereitung des Frühstücks helfen. Bis 9:15 Uhr haben sie für selbstgewählte Aktivitäten Zeit, ab 8:00 Uhr auch im Außenbereich.

Von 9:15 Uhr bis ca. 9:30 Uhr räumen wir gemeinsam auf. Für die Kinder ist dies ein eher unangenehmes und als überflüssig empfundenes Ritual. Unser Wunsch nach einer gewissen Ordnung erschließt sich ihnen nicht automatisch, aber um den Morgenkreis legen zu können, müssen die großen Schaumstoffelemente eingeräumt und auch die Höhle abgebaut werden. Wir decken den Frühstückstisch gemeinsam und bereiten den Morgenkreis vor, d.h. wir legen für jedes Kind und jeden Erwachsenen ein Yogakissen auf unseren Jahreszeitenteppich, holen unsere Liederbücher und die Requisiten für die Kreisspiele.

Im Morgenkreis ist Raum für Singen, Spielen und Erzählen. Es werden Angebote angekündigt, Probleme besprochen und die Kinder haben die Gelegenheit, Kritik zu üben. Jeder Tag hat sein eigenes Ritual, so haben wir z. B. am Montag einen Erzählkreis. Die Kinder können vom Wochenende erzählen oder auch von anderen für sie wichtigen Dingen. Erfahrungsgemäß haben die Kinder am Montag ein sehr starkes Mitteilungsbedürfnis. Gleichzeitig haben sie die Möglichkeit, das freie Sprechen zu üben und das Zuhören zu lernen. Das eine erfordert manchmal Mut und das andere Geduld.

Anschließend um ca. 10:00 Uhr setzen wir uns alle in der Küche an den liebevoll gedeckten Tisch. Nach einem Frühstücksspruch schmieren die Kinder sich eigenhändig ihre Brote, belegen sie, wählen sich Obst oder Gemüse aus und gießen sich selbständig Wasser ein. Dabei unterstützen wir ihren Wunsch nach Selbständigkeit. Auch wie viel sie essen oder trinken möchten, bestimmen sie selbst. Das Frühstück dient natürlich auch der Kommunikation: Die Kinder unterhalten sich mit ihren Freunden und den ErzieherInnen, planen ihre Aktivitäten und treffen Verabredungen für den Vormittag.

Nach dem Frühstück geht eine kleine Gruppe von Kindern, die bereits mit dem Frühstück fertig sind, mit einer Erzieherin ins Kinderbadezimmer und putzt die Zähne. In der Küche frühstücken die anderen Kinder ganz in Ruhe zu Ende oder helfen schon beim Abräumen. Ab ca. 10:30 Uhr, wenn alle Kinder die Zähne geputzt haben, gehen wir bei fast jedem Wetter nach draußen. Jetzt ist Zeit für die vielfältigen Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten auf unserem weitläufigen Gelände. Ein Teil der Kinder trifft sich zu selbstausgedachten Rollenspielen, andere fahren mit Fahrzeugen, die Kaninchen werden versorgt, im Sand wird gespielt und die Werkstatt genutzt. Parallel dazu können die Kinder gezielte Angebote wahrnehmen.

Miteinander spielen heißt Wünsche und Interessen zu äußern, Handlungen zu planen, Regeln zu vereinbaren, Grenzen zu setzen und auftretende Konflikte zu lösen. Die ErzieherInnen halten sich dabei im Hintergrund, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, eigene Lösungswege zu finden.

Um ca. 12:45 Uhr wird gemeinschaftlich aufgeräumt, sich gewaschen und der Mittagstisch gedeckt. In dieser Zeit werden auch die Kinder, die nicht am Mittagessen teilnehmen, abgeholt.

Von 13:00 Uhr bis 13:30 Uhr wird gemeinsam zu Mittag gegessen. Wieder beginnen wir mit einem Tischspruch. Danach kann jedes Kind sich selbständig auffüllen. Um den Kindern ein ungestörtes Mittagessen zu ermöglichen, bitten wir die Eltern, ihre Kinder erst nach dem Mittagessen abzuholen.

Wenn wir fertig sind, helfen die Kinder beim Abräumen, waschen sich und haben dann die Möglichkeit, sich auszuruhen, an einer Entspannungsübung oder an einem ruhigen Spiel teilzunehmen. Natürlich dürfen sie auch nach draußen gehen. Ab 13:30 Uhr werden die Kinder abgeholt. Der Spätdienst dauert in unserem Kindergarten bis 15:00 Uhr.

Dieser grundlegende Tagesablauf in unserem Kindergarten wird je nach Wochentag um spezifische Angebote wie z.B. musikalische Früherziehung am Dienstag, gemeinsames Einkaufen und Kochen am Mittwoch, sowie Schwimmunterricht am Donnerstag, ergänzt.

 

Das Team

Unser Team besteht aus drei festangestellten pädagogischen MitarbeiterInnen.

Geleitet wird der Kindergarten seit 2013 von einer Sozialpädagogin, die auch die Gruppenleitung inne hat. Im Gruppendienst arbeiten des Weiteren eine Erzieherin und eine Sozialassistentin. Die Ausbildung und Anleitung der Auszubildenden ist neben ihrer pädagogischen Arbeit mit den Kindern die Aufgabe der Erzieherin. Unsere Sozialassistentin ist gleichzeitig unsere Vertretungskraft. Alle MitarbeiterInnen arbeiten Teilzeit.

Wir haben uns für dieses Arbeitszeitmodell entschieden, um auch im Krankheitsfall eine kontinuierliche gute pädagogische Arbeit leisten zu können.

Daneben beschäftigen wir eine Haushaltskraft, die auch mit den Kindern kocht, und bilden in jedem Jahr ein oder zwei Auszubildende aus.